Ein englisches Anschreiben ist kein deutscher Lebenslauf in höflicher Prosa und auch kein übersetztes deutsches Anschreiben. Es muss schnell zeigen, für welche Rolle du dich bewirbst, welchen relevanten Wert du mitbringst und warum deine Erfahrung zur Stelle passt. Gerade auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird Englisch oft verlangt, wenn Unternehmen international arbeiten, Konzernstrukturen haben, englischsprachige Teams führen oder Bewerbungen über ein globales Applicant Tracking System laufen. Was ich dabei immer wieder sehe: Viele Kandidatinnen und Kandidaten schreiben zu förmlich, zu allgemein oder zu sehr aus der eigenen Perspektive. Ein gutes englisches Cover Letter Beispiel ist konkret, ruhig selbstbewusst und auf die Entscheidung der Recruiter, Personaler und Hiring Manager ausgerichtet.
Ein englisches Anschreiben hat eine einfache Aufgabe: Es muss die Brücke zwischen Stellenanzeige und deinem Profil bauen. Nicht poetisch. Nicht übermotiviert. Nicht mit Floskeln, die in jedem zweiten Anschreiben stehen. Sondern klar genug, dass die Person auf der anderen Seite versteht: Diese Bewerbung ist relevant.
Ich sage das bewusst so direkt, weil viele Bewerberinnen und Bewerber ein Anschreiben falsch einschätzen. Sie glauben, es sei ein Ort für Motivation, Persönlichkeit und schöne Sätze. Das ist nicht komplett falsch, aber es ist nicht der Kern. Im Recruiting wird ein Anschreiben meistens nicht gelesen, um herauszufinden, ob du nett schreiben kannst. Es wird gelesen, wenn jemand wissen will:
Warum bewirbt sich diese Person genau auf diese Rolle?
Passt die Erfahrung wirklich zur Stelle oder sieht es nur im Lebenslauf ungefähr passend aus?
Gibt es einen Wechselgrund, eine Lücke, einen Quereinstieg oder eine internationale Komponente, die erklärt werden muss?
Versteht die Kandidatin oder der Kandidat, worauf es in dieser Position ankommt?
Ist die Kommunikation klar genug für ein englischsprachiges Arbeitsumfeld?
Das englische Anschreiben ist also ein Positionierungsdokument. Es erklärt nicht dein ganzes Berufsleben. Es sortiert deine wichtigsten Argumente so, dass sie zur Hiring-Entscheidung passen.
Du brauchst ein englisches Anschreiben nicht nur dann, wenn die Stellenanzeige ausdrücklich „Please submit your application in English“ sagt. Es gibt mehrere Situationen, in denen ein Cover Letter auf Englisch sinnvoll oder sogar erwartet ist.
Ein englisches Anschreiben ist meistens die richtige Wahl, wenn die Stellenanzeige auf Englisch formuliert ist. Das klingt banal, wird aber erstaunlich oft ignoriert. Wenn ein Unternehmen die Rolle auf Englisch ausschreibt, signalisiert es damit meistens, dass Englisch im Arbeitsalltag wichtig ist oder dass internationale Stakeholder beteiligt sind. Eine deutsche Bewerbung wirkt dann schnell nicht falsch, aber unpassend.
Auch bei internationalen Unternehmen in Deutschland ist Englisch häufig sinnvoll. Besonders bei Tech, Consulting, Finance, Pharma, E-Commerce, SaaS, Engineering, Startups und Konzernen laufen Bewerbungsprozesse oft über internationale Systeme. Selbst wenn HR in Deutschland sitzt, kann die Fachabteilung englischsprachig sein.
Ein weiterer Fall: Du bewirbst dich aus Deutschland heraus auf eine Stelle im Ausland oder auf eine Remote-Rolle mit internationalem Team. Dann ist ein englisches Cover Letter nicht nur Sprachübung, sondern ein Signal. Du zeigst, dass du professionell auf Englisch kommunizieren kannst.
Ich würde ein englisches Anschreiben besonders dann schreiben, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
Die Stellenanzeige ist auf Englisch.
Der Jobtitel ist international ausgerichtet, zum Beispiel Account Executive, Product Manager, Business Analyst, Talent Acquisition Partner oder Customer Success Manager.
Das Unternehmen arbeitet global oder hat englischsprachige Teams.
Ein gutes englisches Anschreiben hat eine klare Struktur. Du musst nicht kreativ werden. Kreativität im Anschreiben wird oft überschätzt. Was Recruiter und Hiring Manager wirklich schätzen, ist Orientierung. Sie wollen schnell verstehen, worum es geht.
Der beste Aufbau besteht aus diesen Bausteinen:
Professionelle Anrede
Starker Einstieg mit Rolle und relevantem Match
Kurzer Überblick über deine wichtigste Erfahrung
Konkreter Bezug zur Stelle
Ein bis zwei belegbare Beispiele für Wirkung oder Ergebnisse
Kurzer Hinweis auf Motivation und Arbeitskontext
Professioneller Abschluss mit Call to Action
Das folgende Beispiel ist für eine Bewerbung auf eine englischsprachige Rolle in Deutschland geschrieben. Es ist bewusst nicht überladen. Ein gutes Cover Letter Beispiel soll zeigen, wie Positionierung funktioniert: klarer Einstieg, relevante Erfahrung, Bezug zur Rolle, professioneller Abschluss.
Good Example:
Dear Hiring Team,
I am applying for the Customer Success Manager position because my experience in B2B client management, onboarding and cross-functional problem solving closely matches the priorities outlined in your job description. Having worked with international clients across different markets, I am comfortable managing relationships in English while translating customer needs into practical internal actions.
In my current role as Customer Success Specialist at a SaaS company in Germany, I manage a portfolio of mid-market clients and work closely with Sales, Product and Support teams to improve adoption, resolve recurring issues and identify expansion opportunities. One of my key strengths is creating structure in situations where customer expectations, internal priorities and product limitations need to be balanced carefully. I have learned that strong customer success work is not just about being helpful. It is about understanding commercial impact, managing expectations clearly and making sure the right internal conversations happen early enough.
Your role caught my attention because it combines client ownership, strategic account development and collaboration with international teams. This is exactly the kind of environment in which I work well. I bring hands-on experience with onboarding processes, CRM documentation, customer health tracking and stakeholder communication, but also the judgement to know when a customer issue is actually a product, process or expectation problem.
I would welcome the opportunity to discuss how my experience could support your customer success team and contribute to stronger client retention and adoption. Thank you for your time and consideration.
Kind regards,
Simar Malhi
Warum funktioniert dieses Beispiel? Es bleibt nah an der Stellenlogik. Die Person behauptet nicht nur, kommunikationsstark zu sein. Sie zeigt, was Kommunikation in dieser Rolle praktisch bedeutet: Erwartungen managen, interne Prioritäten übersetzen, Kundenprobleme strukturieren, Retention und Adoption unterstützen.
Eine Vorlage kann helfen, aber nur, wenn du sie nicht wie eine Vorlage klingen lässt. Das ist der Punkt, an dem viele Bewerbungen scheitern. Sie nehmen eine Struktur, füllen ein paar Wörter ein und wundern sich, warum der Text trotzdem austauschbar wirkt.
Nutze diese Vorlage als Gerüst, nicht als fertigen Text.
Good Example:
Dear Hiring Team,
I am applying for the [Job Title] position because my experience in [relevant area one], [relevant area two] and [relevant area three] closely matches the requirements outlined in your job description. In my current role as [current role], I have developed strong experience in [core responsibility] while working with [relevant stakeholders, clients or teams].
One area where I could add value to your team is [specific priority from the job description]. At [company or context], I [describe relevant achievement, project or responsibility]. This helped me build practical experience in [skill, tool, process or business area], which I see as highly relevant for this position.
What interests me about your role is the combination of [role priority] and [company or team context]. I work well in environments where [relevant working style or challenge], and I bring both the hands-on experience and the communication skills needed to contribute effectively.
I would welcome the opportunity to discuss how my background could support your team’s goals. Thank you for your time and consideration.
Kind regards,
[Your Name]
Diese Vorlage ist absichtlich schlicht. Nicht langweilig, sondern kontrolliert. Im Recruiting ist Klarheit ein Vorteil. Du willst nicht, dass jemand deinen Text bewundert. Du willst, dass jemand dein Profil versteht.
Gute Formulierungen helfen, wenn sie konkret bleiben. Schlechte Formulierungen verstecken oft, dass die Person eigentlich nicht weiß, was sie sagen will.
Good Example:
I am applying for the [Job Title] position because my background in [field or function] aligns strongly with the responsibilities described in your job posting.
Good Example:
Your opening for a [Job Title] caught my attention because it combines [priority one] with [priority two], both of which have been central to my recent work.
Good Example:
With experience in [relevant area] and a strong track record in [specific responsibility], I am interested in contributing to your team as a [Job Title].
Diese Einstiege sind besser als reine Standardfloskeln, weil sie sofort Kontext geben. Sie beantworten die unausgesprochene Recruiter-Frage: Warum diese Person für diese Rolle?
Good Example:
In my current role, I am responsible for [responsibility], working closely with [stakeholders] to [business outcome].
Good Example:
I have developed hands-on experience in [area], particularly in situations where [specific challenge] required clear prioritisation and strong communication.
Good Example:
My work has focused on [core area], including [task one], [task two] and [task three].
Viele Fehler entstehen nicht durch schlechtes Englisch, sondern durch deutsche Bewerbungsgewohnheiten, die eins zu eins ins Englische übertragen werden. Das Ergebnis ist formal korrekt, aber nicht überzeugend.
Deutsche Anschreiben sind oft vorsichtig formuliert. Im Englischen wirkt zu viel Vorsicht schnell unsicher. Sätze wie „I would like to kindly express my interest“ sind nicht nötig. Du darfst klar sagen, was du kannst und warum du passt.
Weak Example:
I would like to kindly take the opportunity to express my sincere interest in your highly interesting position.
Das klingt höflich, aber leer. Niemand erfährt etwas über deine Eignung.
Good Example:
I am interested in the position because it matches my experience in financial reporting, stakeholder coordination and process improvement.
Das ist kürzer und stärker.
Viele Formulierungen klingen übersetzt, auch wenn sie grammatikalisch stimmen. „I collected experience“ ist ein Klassiker. Im Englischen sagt man „I gained experience“ oder besser noch konkreter: „I developed experience in“.
Auch „I make an apprenticeship“ funktioniert nicht. Je nach Kontext heißt es „I completed an apprenticeship“ oder „I am completing vocational training“.
Typische bessere Varianten sind:
Ein englisches Anschreiben wird selten gemütlich von oben bis unten gelesen wie ein Roman. Es wird gescannt. Besonders im ersten Durchgang. Ich achte dabei auf Signale.
Zuerst schaue ich, ob die Rolle verstanden wurde. Wenn jemand sich auf eine operative Position bewirbt, aber nur strategische Ambitionen beschreibt, entsteht ein Fit-Problem. Wenn eine Stelle stark stakeholderlastig ist, aber das Anschreiben nur technische Tools erwähnt, fehlt mir ein wichtiger Teil.
Dann schaue ich auf Relevanz. Nicht jede gute Erfahrung ist für jede Stelle relevant. Ein häufiger Kandidatenfehler ist, stolz auf Dinge zu sein, die für diese spezifische Rolle nicht entscheidend sind. Das ist menschlich verständlich. Aber Hiring ist kein allgemeiner Anerkennungsprozess. Hiring ist eine Risikobewertung für eine konkrete Position.
Danach achte ich auf Kommunikationsniveau. Bei englischsprachigen Rollen ist das Anschreiben selbst ein Arbeitsbeispiel. Nicht im literarischen Sinn, sondern im praktischen: Kann diese Person Gedanken klar strukturieren? Kann sie Prioritäten setzen? Klingt sie sicher genug für Kunden, Stakeholder oder internationale Teams?
Hiring Manager lesen noch einmal anders. Sie suchen oft nach Entlastung. Sie fragen innerlich: Wird diese Person meine Probleme lösen oder neue erzeugen? Das klingt nüchtern, aber es ist realistisch. Ein gutes Anschreiben zeigt deshalb nicht nur Skills, sondern Urteilskraft.
Ein Satz wie „I enjoy working in dynamic environments“ sagt wenig. Ein Satz wie „I work well in environments where priorities shift, as long as expectations, ownership and deadlines are made explicit“ sagt deutlich mehr. Er zeigt Reife. Er zeigt, dass du echte Arbeitsrealität kennst.
Der Unterschied liegt selten in perfektem Vokabular. Es geht nicht darum, möglichst beeindruckende Wörter zu verwenden. Im Gegenteil: Viele schwache Anschreiben klingen so, als hätte jemand versucht, Business-Englisch zu „veredeln“. Das Ergebnis ist schwerfällig.
Ein gutes englisches Anschreiben ist:
Klar in der Positionierung
Konkret in den Beispielen
Relevant zur Stellenanzeige
Natürlich im Ton
Professionell ohne Übertreibung
Selbstbewusst ohne Arroganz
Kurz genug, um gelesen zu werden
Ein englisches Anschreiben sollte meistens zwischen 250 und 400 Wörtern liegen. Für viele Bewerbungen reicht eine Seite völlig aus. Mehr ist nur sinnvoll, wenn du etwas erklären musst, das für die Bewertung wichtig ist: ein Branchenwechsel, ein internationaler Umzug, eine Senioritätsfrage, ein Quereinstieg oder eine sehr spezifische Motivation.
Der Ton sollte professionell, direkt und natürlich sein. Nicht zu steif, nicht zu locker. Für Bewerbungen in Deutschland mit internationalem Kontext funktioniert ein klarer Business-Ton am besten.
Vermeide übertriebene Formulierungen wie:
I am extremely passionate about your outstanding company.
It would be my greatest honour to join your prestigious organisation.
I am convinced that I am the perfect candidate.
Das klingt schnell künstlich. „Perfect candidate“ ist außerdem fast immer zu stark. Niemand ist perfekt. Hiring Manager wissen das. Was sie suchen, ist passend, glaubwürdig und lieferfähig.
Besser sind Formulierungen wie:
I believe my experience would allow me to contribute effectively to your team.
Nicht jedes englische Anschreiben sollte gleich klingen. Die Struktur bleibt ähnlich, aber die Argumentation verändert sich je nach Profil.
Wenn du Berufseinsteigerin oder Berufseinsteiger bist, hast du wahrscheinlich weniger Berufserfahrung. Dann musst du nicht so tun, als hättest du Senior-Verantwortung. Recruiter erkennen das sofort. Konzentriere dich lieber auf relevante Praktika, Werkstudententätigkeiten, Projekte, Abschlussarbeiten, Tools, Sprachen und Lernkurve.
Good Example:
As a recent graduate in International Business, I have gained practical experience through internships in project coordination and market research. These experiences helped me develop a structured working style, strong analytical skills and confidence in communicating with international stakeholders.
Das funktioniert, weil es nicht vorgibt, mehr zu sein als es ist. Es zeigt Potenzial mit Bezug zur Rolle.
Bei Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern muss das Anschreiben die Transferleistung erklären. Der Lebenslauf allein schafft das oft nicht. Recruiter und Hiring Manager wollen verstehen, warum deine bisherige Erfahrung für die neue Rolle relevant ist.
Good Example:
Although my background is in hospitality management, the core of my work has been stakeholder communication, operational coordination and customer problem-solving. These are the areas I now want to apply in a more structured customer success environment.
Das ist gut, weil es den Wechsel nicht versteckt. Es übersetzt Erfahrung. Genau das braucht ein Quereinstieg.
Viele Bewerberinnen und Bewerber machen sich wegen Applicant Tracking Systems verrückt. Ja, ATS existieren. Ja, viele Unternehmen in Deutschland nutzen Systeme wie Workday, SAP SuccessFactors, Personio, Greenhouse, SmartRecruiters oder ähnliche Plattformen. Aber nein, dein Anschreiben muss nicht wie eine Keyword-Maschine klingen.
ATS-Relevanz bedeutet beim Anschreiben vor allem: Verwende natürliche Begriffe aus der Stellenanzeige, wenn sie wirklich zu deinem Profil passen. Wenn dort „stakeholder management“, „CRM“, „process improvement“, „financial reporting“, „customer onboarding“ oder „project coordination“ steht und du diese Erfahrung hast, nutze diese Begriffe. Aber schreibe keine unlesbaren Keyword-Absätze.
Die größere Gefahr ist nicht, dass dein Anschreiben vom ATS „aussortiert“ wird, weil ein Wort fehlt. Die größere Gefahr ist, dass ein Mensch nach dem ATS-Screening keinen klaren Fit erkennt.
Ich würde deshalb so denken: Das ATS braucht lesbare Relevanz. Der Recruiter braucht schnelle Orientierung. Der Hiring Manager braucht Vertrauen in deine praktische Eignung. Dein Anschreiben sollte alle drei bedienen, ohne künstlich zu wirken.
Der größte Fehler ist Austauschbarkeit. Wenn ich den Unternehmensnamen entfernen kann und das Anschreiben für jede andere Stelle funktioniert, ist es zu generisch. Das bedeutet nicht, dass du jedes Mal komplett neu schreiben musst. Aber du musst die Argumente anpassen.
Ein weiterer Fehler ist Übererklärung. Manche Kandidatinnen und Kandidaten versuchen, jede Station, jede Motivation und jede Fähigkeit unterzubringen. Das macht den Text nicht stärker. Es macht ihn schwerer. Ein Anschreiben ist kein Archiv. Es ist eine Auswahl.
Auch zu viel Selbstbeschreibung ist problematisch. Sätze wie „I am ambitious, proactive and solution-oriented“ sagen weniger als ein konkretes Beispiel. Ich will nicht nur wissen, welche Eigenschaften du dir zuschreibst. Ich will sehen, wie diese Eigenschaften in einer Arbeitssituation sichtbar wurden.
Dann gibt es den Fehler der falschen Tonlage. Zu unterwürfig wirkt unsicher. Zu aggressiv wirkt unangenehm. Zu blumig wirkt künstlich. Der beste Ton ist professionell und klar.
Ein unterschätzter Fehler: Das Anschreiben erklärt nicht, warum Englisch kein Problem ist. Wenn die Rolle englischsprachig ist und dein Lebenslauf stark deutsch geprägt ist, kann ein sauber geschriebenes englisches Anschreiben selbst ein Beleg sein. Nutze diese Chance. Nicht indem du schreibst „My English is very good“, sondern indem du es zeigst.
Stellenanzeigen sind nicht immer präzise. Manchmal sind sie Wunschlisten, manchmal interne Kompromisse, manchmal wurden sie von HR, Fachabteilung und Management gemeinsam gebaut und klingen danach. Beim englischen Anschreiben hilft es, typische Formulierungen richtig zu lesen.
Wenn ein Unternehmen schreibt „excellent communication skills“, meint es oft nicht nur freundlich schreiben. Es meint: Kannst du Informationen sauber strukturieren, Erwartungen managen, Konflikte entschärfen und mit Menschen sprechen, die andere Prioritäten haben?
Wenn dort „fast-paced environment“ steht, kann das spannend sein. Es kann aber auch heißen: Prioritäten wechseln, Prozesse sind nicht perfekt, du musst mit Unsicherheit umgehen. Dein Anschreiben sollte dann nicht nur Motivation zeigen, sondern Arbeitsreife.
Wenn „cross-functional collaboration“ genannt wird, meint das meistens: Du wirst nicht nur in deinem eigenen Bereich arbeiten. Du musst mit Sales, Product, Finance, Legal, Operations, HR oder externen Partnern abstimmen. Zeige also nicht nur Fachwissen, sondern Schnittstellenfähigkeit.
Wenn „ownership“ in der Stellenanzeige steht, heißt das selten „du darfst alles selbst entscheiden“. Oft heißt es: Du sollst Verantwortung übernehmen, auch wenn nicht jede Information perfekt vorbereitet ist. In deutschen Unternehmen wird das manchmal besonders interessant, weil Hierarchien und Entscheidungswege trotzdem bestehen. Ownership bedeutet dann nicht Chaos-Romantik, sondern die Fähigkeit, Dinge voranzubringen, ohne politische Realitäten zu ignorieren.
Genau solche Nuancen machen ein englisches Anschreiben stärker. Du reagierst nicht nur auf Keywords. Du zeigst, dass du die Arbeitsrealität hinter den Wörtern verstehst.
Wenn du dein englisches Anschreiben schreibst, stelle dir nicht zuerst die Frage: „Wie klinge ich professionell?“ Stelle dir lieber diese Fragen:
Welche drei Anforderungen in der Stellenanzeige sind wirklich entscheidend?
Welche Erfahrung aus meinem Profil beweist, dass ich diese Anforderungen erfüllen kann?
Welche Sorge könnte ein Recruiter oder Hiring Manager bei meinem Profil haben?
Muss ich einen Wechsel, eine Lücke, einen Standort oder eine Senioritätsfrage erklären?
Welcher Satz macht sofort klar, warum ich für diese Rolle relevant bin?
Welche Formulierung klingt nach echter Arbeitserfahrung statt nach Bewerbungssprache?
Dieses Framework verhindert, dass du in Floskeln rutschst. Es zwingt dich, aus Sicht der Entscheidungsperson zu schreiben.
Ich würde ein Anschreiben immer gegen drei Prüfsteine halten:
Bevor du dein englisches Anschreiben abschickst, prüfe es nüchtern. Nicht wie die Autorin oder der Autor des Textes, sondern wie eine Person, die wenig Zeit hat und schnell entscheiden muss.
Dein Anschreiben ist stark, wenn diese Punkte erfüllt sind:
Die Rolle wird im ersten Absatz klar genannt.
Der Einstieg erklärt sofort deinen relevanten Fit.
Die wichtigsten Anforderungen aus der Stellenanzeige werden natürlich aufgegriffen.
Deine Beispiele zeigen konkrete Arbeitssituationen oder Ergebnisse.
Der Text klingt nicht wie eine direkte Übersetzung aus dem Deutschen.
Soft Skills werden durch Kontext belegt.
Der Ton ist professionell, aber nicht steif.
Geschrieben von Simar Malhi, Recruiterin und Headhunterin mit internationaler Recruiting-Erfahrung. Ich schreibe über Lebensläufe, Bewerbungen, Hiring-Entscheidungen und die Realität hinter Recruiting-Prozessen. Mein Ziel ist es, Kandidatinnen und Kandidaten ehrlicher zu zeigen, wie Arbeitgeber, Recruiter, Personaler, Hiring Manager und Fachabteilungen tatsächlich auswählen.
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Create ResumeFür Bewerbungen in Deutschland ist das besonders wichtig, weil viele Unternehmen eine Mischung aus deutscher Bewerbungslogik und internationaler Kommunikation nutzen. Die Stelle ist vielleicht in Berlin, München, Hamburg oder Düsseldorf, aber das Team arbeitet auf Englisch. Der Recruiter sitzt vielleicht in Deutschland, der Hiring Manager in London, Amsterdam oder New York. Genau deshalb muss dein englisches Anschreiben international klingen, aber trotzdem die Erwartungen des deutschen Bewerbungsprozesses treffen: klar, professionell, relevant und sauber strukturiert.
Die Bewerbung läuft über ein internationales Applicant Tracking System.
Die Rolle verlangt regelmäßige Kommunikation mit internationalen Kunden, Stakeholdern oder Teams.
Du erklärst einen Standortwechsel, Branchenwechsel oder internationalen Karriereweg.
Was ich nicht machen würde: Ein deutsches Anschreiben einfach Wort für Wort übersetzen. Das führt fast immer zu einem Text, der sprachlich korrekt sein kann, aber vom Ton her schwerfällig wirkt. Englischsprachige Anschreiben sind meistens direkter, knapper und stärker auf Impact ausgerichtet.
Das klingt simpel, aber die Qualität liegt in der Auswahl. Ein gutes Anschreiben gewinnt nicht dadurch, dass du alles erwähnst. Es gewinnt dadurch, dass du die richtigen Dinge weglässt.
Wenn du den Namen der Ansprechperson kennst, nutze ihn. Im Englischen ist „Dear Ms. Müller“ oder „Dear Mr. Schmidt“ klassisch und professionell. Wenn du nicht sicher bist, welches Geschlecht oder welche Anrede passt, kannst du den vollen Namen verwenden: „Dear Alex Schneider“.
Wenn kein Name genannt wird, ist „Dear Hiring Team“ meistens besser als „To whom it may concern“. Letzteres klingt altmodisch und distanziert. „Dear Hiring Manager“ ist ebenfalls möglich, aber etwas generischer.
Good Example:
Dear Hiring Team,
Good Example:
Dear Ms. Schneider,
Weak Example:
To whom it may concern,
Nicht katastrophal, aber steif. Es klingt nach Vorlage, nicht nach moderner Bewerbung.
Der erste Absatz muss sofort sagen, für welche Rolle du dich bewirbst und warum dein Profil relevant ist. Bitte nicht mit „I am writing to apply“ anfangen, wenn danach nichts Konkretes kommt. Das ist nicht falsch, aber es verschenkt Aufmerksamkeit.
Weak Example:
I am writing to apply for the position of Marketing Manager at your company. I believe I would be a good fit because I am motivated, hardworking and passionate about marketing.
Das Problem: Es sagt nichts, was eine Recruiterin bewerten kann. „Motivated“ und „hardworking“ sind keine Differenzierung. Niemand schreibt: „I am moderately interested and occasionally reliable.“
Good Example:
I am applying for the Marketing Manager position because my experience in B2B demand generation, campaign optimisation and cross-functional stakeholder management closely matches the priorities outlined in your job description.
Das ist stärker, weil es direkt auf die Stelle einzahlt. Ich sehe sofort: Diese Person hat verstanden, worauf es ankommt.
Im Mittelteil geht es um deine stärksten Argumente. Nicht um deine komplette Laufbahn. Wähle zwei bis drei relevante Belege, die zur Stelle passen. Besonders gut funktionieren Ergebnisse, Verantwortungsbereiche, Tools, Märkte, Zielgruppen oder Schnittstellen.
Du kannst zum Beispiel zeigen:
Welche Art von Projekten du gesteuert hast
Mit welchen Stakeholdern du gearbeitet hast
Welche Tools, Methoden oder Systeme du nutzt
Welche Ergebnisse du erzielt hast
Welche Herausforderungen du gelöst hast
Warum deine Erfahrung zur ausgeschriebenen Rolle passt
Wichtig: Ergebnisse müssen nicht immer riesig sein. Nicht jede Person hat Umsatz um 300 Prozent gesteigert, internationale Teams geführt und nebenbei den Kaffeevollautomaten digital transformiert. Relevanz schlägt Übertreibung. Ein glaubwürdiges Beispiel ist besser als ein aufgeblasener Erfolg.
Der letzte Absatz sollte freundlich, professionell und klar sein. Kein Betteln. Kein übertriebenes „I would be honoured beyond words“. Auch kein kaltes „Please find attached“. Der Abschluss sollte signalisieren: Ich bin interessiert, ich passe zur Rolle und ich freue mich auf den Austausch.
Good Example:
I would welcome the opportunity to discuss how my experience in operational process improvement and stakeholder management could support your team’s current priorities. Thank you for your time and consideration.
Das ist ruhig, professionell und nicht unterwürfig.
Genau so lesen Hiring Manager. Sie fragen nicht: „Klingt diese Person sympathisch?“ Sie fragen: „Kann diese Person die Realität dieses Jobs tragen?“
Achte auf „hands-on experience“. Das ist im Englischen sehr nützlich, wenn du praktische Erfahrung zeigen willst. Aber bitte nur verwenden, wenn du wirklich operativ oder direkt damit gearbeitet hast. Sonst klingt es schnell wie Füllmaterial.
Good Example:
This contributed to improved process transparency and faster decision-making across the team.
Good Example:
As a result, we reduced recurring client issues and improved internal follow-up between Sales and Support.
Good Example:
The project helped increase adoption by making onboarding clearer and more consistent for new users.
Du brauchst nicht immer harte Zahlen. Zahlen sind gut, aber nicht jede Rolle produziert saubere Kennzahlen. In vielen deutschen Unternehmen sind Daten unordentlich, Verantwortlichkeiten verteilt und Ergebnisse nicht immer eindeutig messbar. Dann beschreibst du Wirkung sauber, ohne so zu tun, als hättest du alles allein gerettet.
Good Example:
What interests me about this position is the opportunity to work at the intersection of [area one] and [area two].
Good Example:
I am particularly drawn to this role because it would allow me to apply my experience in [skill] in a more international and cross-functional environment.
Good Example:
Your focus on [company priority] stood out to me because it matches the type of work I have found most meaningful and effective in my recent roles.
Motivation ist am stärksten, wenn sie mit der Rolle verbunden ist. „I have always admired your company“ ist meistens schwach, wenn danach kein konkreter Grund kommt. Recruiter sehen diesen Satz ständig. Er macht niemanden böse, aber er bewegt auch nichts.
Statt „I collected experience“: „I gained experience“ oder „I developed experience“
Statt „I make an internship“: „I completed an internship“
Statt „I am since three years at the company“: „I have been with the company for three years“
Statt „actual job“: „current role“
Statt „home office“ im deutschen Sinn: „remote work“ oder „working from home“
Diese Details wirken klein, aber sie beeinflussen den Eindruck. Ein einzelner Fehler ist selten ein Ausschlussgrund. Aber viele übersetzte Formulierungen zusammen signalisieren, dass die Person vielleicht nicht so sicher auf Englisch arbeitet, wie die Stelle es verlangt.
„Team player“, „motivated“, „reliable“ und „fast learner“ sind nicht verboten. Aber alleinstehend sind sie schwach. In einem Anschreiben müssen Soft Skills durch Kontext bewiesen werden.
Weak Example:
I am a motivated team player with excellent communication skills.
Good Example:
Working with Sales, Product and Operations has taught me how to communicate clearly across teams with different priorities, especially when customer expectations and internal capacity do not fully align.
Das zweite Beispiel zeigt Kommunikation in einer echten Arbeitssituation. Genau das ist der Unterschied zwischen Behauptung und Beleg.
Ein häufiger Fehler: Das Anschreiben beschreibt die Person, aber nicht den Fit zur Rolle. Dann liest sich der Text wie ein allgemeines Profil. Für Recruiter ist das mühsam, weil sie die Verbindung selbst herstellen müssen.
Und hier kommt eine harte Recruiting Reality: Wenn die Verbindung nicht schnell sichtbar ist, wird sie oft nicht gesucht. Nicht aus Bosheit. Aus Zeitdruck. Aus Prozessdruck. Aus 80 offenen Tabs, 120 Bewerbungen und einem Hiring Manager, der „bitte nur passende Profile“ sehen will.
Dein Anschreiben sollte der Person auf der anderen Seite Arbeit abnehmen.
Stark genug, um den Lebenslauf besser einzuordnen
Ein durchschnittliches Anschreiben ist meistens:
Zu allgemein
Zu sehr auf Motivation statt Fit fokussiert
Voller Soft Skills ohne Belege
Sprachlich übersetzt statt natürlich formuliert
Zu lang oder zu leer
Ohne klare Verbindung zur ausgeschriebenen Rolle
Was ich besonders kritisch sehe: Anschreiben, die nur sagen, dass jemand „eine neue Herausforderung sucht“. Das mag stimmen, aber aus Hiring-Sicht ist es nicht genug. Arbeitgeber stellen dich nicht ein, weil du eine neue Herausforderung möchtest. Sie stellen dich ein, weil sie glauben, dass du ihre Herausforderung lösen kannst.
My background aligns well with the responsibilities described in the role.
I would welcome the opportunity to discuss how my experience could support your current priorities.
Das ist selbstbewusst, aber nicht aufgeblasen.
Bei erfahrenen Kandidatinnen und Kandidaten sollte das Anschreiben nicht den Lebenslauf nacherzählen. Es sollte Schwerpunkte setzen. Seniorität zeigt sich nicht durch Länge, sondern durch Priorisierung.
Good Example:
Over the past eight years, my work has focused on improving finance processes in international environments, particularly where reporting quality, stakeholder alignment and system limitations needed to be managed at the same time.
Das zeigt Erfahrung und Urteilskraft. Es klingt nicht nach Aufgabenliste, sondern nach Arbeitsrealität.
Fit: Wird klar, warum dein Profil zur Rolle passt?
Evidence: Gibt es konkrete Belege statt nur Behauptungen?
Judgement: Zeigt der Text, dass du die Arbeitsrealität der Rolle verstehst?
Wenn einer dieser Punkte fehlt, wirkt das Anschreiben schwächer. Nicht unbedingt schlecht. Aber weniger entscheidungsreif.
Das Anschreiben ist kurz genug, um vollständig gelesen zu werden.
Es ergänzt den Lebenslauf, statt ihn nur zu wiederholen.
Nach dem Lesen versteht man, warum du zu genau dieser Stelle passt.
Ein einfacher Test: Entferne den Jobtitel und den Unternehmensnamen. Wenn das Anschreiben danach immer noch für zehn andere Stellen passt, ist es nicht spezifisch genug.