Der Über-mich-Abschnitt im Lebenslauf ist eine kurze berufliche Zusammenfassung direkt am Anfang deines CVs. Er soll nicht erzählen, dass du „motiviert, teamfähig und belastbar“ bist. Das steht überall und hilft niemandem. Ein guter Über-mich-Text zeigt in wenigen Zeilen, wer du beruflich bist, welche Erfahrung du mitbringst, welchen Schwerpunkt du hast und warum dein Profil zur Stelle passt. Im deutschen Arbeitsmarkt funktioniert dieser Abschnitt besonders gut, wenn er präzise, glaubwürdig und rollenbezogen ist. Ich lese ihn nicht wie ein kleines Bewerbungsschreiben. Ich nutze ihn als Orientierung: Verstehe ich innerhalb von zehn Sekunden, wo du fachlich stehst und warum ich weiterlesen sollte?
Der „Über mich“-Abschnitt ist kein persönliches Mini-Porträt im Sinne von „Ich bin ein offener Mensch und liebe neue Herausforderungen“. Im Lebenslauf hat dieser Abschnitt eine klare Funktion: Er rahmt dein Profil für Recruiter, Personaler und Hiring Manager ein, bevor sie deine Berufserfahrung im Detail lesen.
In Deutschland wird dieser Abschnitt auch oft als Kurzprofil, Profil, Berufliches Profil, Zusammenfassung oder Persönliches Profil bezeichnet. Inhaltlich geht es aber immer um dasselbe: eine kompakte Positionierung.
Ich sehe bei Bewerbungen oft zwei Extreme. Die einen lassen den Abschnitt komplett weg und hoffen, dass die Erfahrung für sich spricht. Das kann funktionieren, wenn der Lebenslauf sehr linear und sofort verständlich ist. Die anderen schreiben einen weichen Text voller Eigenschaften, der freundlich klingt, aber nichts bewertet, nichts einordnet und nichts erklärt. Das ist dann leider kein Profil, sondern Dekoration.
Ein guter Über-mich-Abschnitt beantwortet diese Fragen:
Welche Rolle oder berufliche Richtung beschreibt dich am besten?
Welche Erfahrung, Branche oder fachliche Spezialisierung bringst du mit?
Welche Aufgaben, Ergebnisse oder Schwerpunkte sind für die Zielstelle relevant?
Was soll ein Recruiter sofort über deine Positionierung verstehen?
Viele Kandidatinnen und Kandidaten unterschätzen, wie schnell Lebensläufe in der Praxis gescreent werden. Natürlich liest niemand gute Profile absichtlich oberflächlich. Aber Recruiting ist selten diese romantische Vorstellung von „Ich nehme mir eine Tasse Kaffee und würdige jede Zeile“. In echten Bewerbungsprozessen gibt es Zeitdruck, viele Unterlagen, unklare Anforderungen und Hiring Manager, die oft selbst noch schärfen müssen, was sie eigentlich suchen.
Genau deshalb ist ein starkes Kurzprofil nützlich. Es hilft, dein Profil schneller richtig einzuordnen.
Ein guter Über-mich-Abschnitt kann besonders helfen, wenn:
dein Lebenslauf mehrere Stationen, Branchen oder Richtungswechsel enthält
du dich auf eine etwas andere Rolle bewirbst als deine letzte Position
deine stärksten Argumente nicht sofort aus Jobtiteln erkennbar sind
du Berufserfahrung hast, aber sie strategisch besser einordnen musst
du als Berufseinsteigerin oder Berufseinsteiger zeigen willst, wohin du fachlich willst
Ich suche im Über-mich-Abschnitt nicht nach Perfektion. Ich suche nach Klarheit.
Wenn ich einen Lebenslauf öffne, versuche ich sehr schnell zu verstehen:
Passt diese Person grundsätzlich zur Rolle?
Ist die relevante Erfahrung sofort erkennbar?
Gibt es einen klaren fachlichen Schwerpunkt?
Sind die Aussagen konkret genug, um glaubwürdig zu sein?
Passt die Positionierung zur Stellenanzeige?
Das klingt simpel, aber genau daran scheitern viele Über-mich-Texte. Sie beschreiben Persönlichkeit, nicht berufliche Relevanz.
Weak Example:
„Ich bin eine motivierte, zuverlässige und kommunikative Person, die gerne im Team arbeitet und neue Herausforderungen sucht.“
Das Problem: Dieser Satz könnte in fast jedem Lebenslauf stehen. Er sagt nichts über Rolle, Erfahrung, Fachbereich, Branchenkontext, Tools, Ergebnisse oder Richtung. Als Recruiterin kann ich daraus keine Entscheidung ableiten.
Ein guter Über-mich-Abschnitt im Lebenslauf sollte meistens drei bis fünf Zeilen lang sein. In Worten bedeutet das ungefähr 40 bis 90 Wörter. Mehr ist selten nötig.
Wenn der Abschnitt länger wird, passiert oft etwas Interessantes: Kandidatinnen und Kandidaten fangen an, Dinge zu erklären, die eigentlich in die Berufserfahrung, das Anschreiben oder das Vorstellungsgespräch gehören. Dann wird aus einem Kurzprofil ein kleiner Roman. Das liest niemand gern, vor allem nicht im oberen Drittel eines Lebenslaufs.
Die beste Länge hängt von deiner Situation ab:
Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger: eher zwei bis vier Zeilen, mit Fokus auf Ausbildung, Praktika, Schwerpunkt und Zielrolle
Fachkräfte mit Berufserfahrung: drei bis fünf Zeilen, mit Fokus auf Rolle, Erfahrung, Spezialisierung und relevante Ergebnisse
Führungskräfte: vier bis sechs Zeilen, wenn Verantwortungsumfang, Teamgröße, Budget, Transformation oder strategischer Kontext wichtig sind
Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger: drei bis fünf Zeilen, mit klarer Übersetzungsleistung zwischen bisheriger Erfahrung und Zielrolle
Der wichtigste Punkt: Nicht die Länge macht den Abschnitt stark, sondern die Dichte. Jede Zeile sollte einen Grund liefern, warum dein Profil relevant ist.
Ich empfehle eine einfache Struktur, weil sie in der Praxis funktioniert. Nicht kreativ, nicht verspielt, nicht „mal anders“. Einfach klar.
Ein starker Über-mich-Abschnitt besteht aus drei Bausteinen:
Berufliche Einordnung: Wer bist du fachlich?
Relevanter Schwerpunkt: Was kannst du, was zur Stelle passt?
Positionierung oder Wirkung: Welchen Wert bringst du für Arbeitgeber?
Diese Struktur hilft dir, nicht in allgemeine Floskeln abzurutschen.
Beginne mit deiner beruflichen Identität. Nicht mit deiner Persönlichkeit.
Statt:
Weak Example:
„Ich bin eine engagierte Person mit vielseitigen Interessen.“
Besser:
Good Example:
„HR-Generalistin mit sechs Jahren Erfahrung in Recruiting, Mitarbeiterbetreuung und operativer Personalarbeit im Mittelstand.“
Der Über-mich-Abschnitt ist klein, aber strategisch wichtig. Deshalb sollte dort nur stehen, was deine Bewerbung stärker macht.
Ein guter Abschnitt kann enthalten:
deine aktuelle oder angestrebte Berufsrolle
relevante Jahre Berufserfahrung, wenn sie stark wirken
Branchenkenntnisse, wenn sie für die Stelle wichtig sind
fachliche Schwerpunkte
relevante Tools, Methoden oder Systeme
Führungserfahrung, Budgetverantwortung oder Projektverantwortung
messbare Wirkung, wenn sie kurz und glaubwürdig formulierbar ist
Hier ist ein vollständiges Beispiel für einen starken Über-mich-Abschnitt innerhalb eines modernen, ATS-freundlichen Lebenslaufs. Wichtig: Das Beispiel ist bewusst realistisch gehalten. Gute Lebensläufe klingen nicht wie Werbeanzeigen. Sie sind klar, konkret und gut sortiert.
Lebenslauf Beispiel
Sabrina Keller
Marketing Managerin
Berlin, Deutschland
LinkedIn: linkedin.com/in/sabrinakeller
Über mich
Marketing Managerin mit sieben Jahren Erfahrung im B2B-Technologieumfeld, spezialisiert auf Content-Marketing, Lead-Generierung und integrierte Kampagnen. Ich verbinde strategische Positionierung mit operativer Umsetzung und arbeite eng mit Sales, Produktmanagement und externen Agenturen zusammen. Besonders stark bin ich darin, komplexe Themen so zu übersetzen, dass sie Zielgruppen erreichen und messbare Pipeline-Wirkung erzeugen.
Berufserfahrung
Senior Marketing Managerin, TechNova Solutions GmbH, Berlin
März 2021 bis heute
Entwicklung und Steuerung von B2B-Kampagnen für SaaS-Lösungen im Mittelstandssegment
Aufbau eines Content-Funnels mit Whitepapern, Webinaren, Case Studies und E-Mail-Nurturing
Bei Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern ist der häufigste Fehler, so zu tun, als hätte man schon ein voll ausgereiftes Senior-Profil. Das wirkt nicht stärker, sondern unsicher. Ein guter Einstiegs-Lebenslauf muss nicht so tun, als wäre da mehr Erfahrung als vorhanden ist. Er muss zeigen, welche Richtung, welche Grundlagen und welche praktischen Berührungspunkte relevant sind.
Lebenslauf Beispiel
Jonas Weber
Junior Controller
Köln, Deutschland
LinkedIn: linkedin.com/in/jonasweber
Über mich
Wirtschaftswissenschaftlicher Absolvent mit Schwerpunkt Controlling und Finance sowie praktischer Erfahrung durch Werkstudententätigkeit und Projektarbeit. Ich bringe sichere Excel-Kenntnisse, analytisches Denken und ein gutes Verständnis für Kostenrechnung, Reporting und Budgetplanung mit. Mein Ziel ist der Einstieg ins Controlling, wo ich Zahlen nicht nur aufbereite, sondern verständlich für Entscheidungen nutzbar mache.
Praktische Erfahrung
Werkstudent Finance & Controlling, Müller Maschinenbau GmbH, Köln
Oktober 2023 bis März 2025
Unterstützung bei Monatsreportings, Kostenstellenanalysen und Abweichungsauswertungen
Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger brauchen im Über-mich-Abschnitt besonders viel Klarheit. Nicht, weil Quereinstieg schlecht ist. Sondern weil Recruiter sonst gedanklich eine Brücke bauen müssen: Von deiner bisherigen Erfahrung zur Zielrolle. Wenn du diese Brücke nicht selbst baust, wird sie im Screening oft nicht gebaut. Nicht aus Bosheit. Aus Zeitdruck.
Lebenslauf Beispiel
Merve Arslan
Customer Success Managerin
München, Deutschland
LinkedIn: linkedin.com/in/mervearslan
Über mich
Kommunikationsstarke Kundenberaterin mit acht Jahren Erfahrung in der Betreuung anspruchsvoller B2B-Kunden und dem Wunsch, meine Beratungskompetenz gezielt im Customer Success einzusetzen. Ich bin erfahren darin, Kundenbedarfe zu erkennen, Erwartungen zu steuern, Lösungen verständlich zu erklären und langfristige Beziehungen aufzubauen. Besonders relevant für Customer Success sind meine Stärken in strukturierter Kundenkommunikation, Eskalationsmanagement und serviceorientierter Prozessverbesserung.
Berufserfahrung
Senior Kundenberaterin B2B, Telekommunikation Schneider GmbH, München
Januar 2020 bis heute
Betreuung von Geschäftskunden bei Vertragsfragen, technischen Anliegen und Serviceeskalationen
Bei Führungskräften muss der Über-mich-Abschnitt mehr leisten als eine Rollenbeschreibung. Hier interessieren Verantwortungsumfang, Führungsstil, Geschäftskontext und Wirkung. Hiring Manager wollen wissen: Kann diese Person nicht nur fachlich arbeiten, sondern Verantwortung tragen, Entscheidungen treffen und Teams durch Realität führen?
Lebenslauf Beispiel
Thomas Berger
Head of Operations
Frankfurt am Main, Deutschland
LinkedIn: linkedin.com/in/thomasberger
Über mich
Operations-Führungskraft mit mehr als zwölf Jahren Erfahrung in Prozessoptimierung, Teamführung und skalierbaren Betriebsstrukturen im Logistik- und E-Commerce-Umfeld. Ich führe bereichsübergreifende Teams, verbessere operative Abläufe und übersetze Wachstumsziele in funktionierende Prozesse. Mein Schwerpunkt liegt darauf, Effizienz, Servicequalität und Umsetzbarkeit zusammenzubringen, ohne operative Teams mit unrealistischen Konzepten aus der PowerPoint-Welt zu belasten.
Berufserfahrung
Head of Operations, UrbanLogix GmbH, Frankfurt am Main
Mai 2020 bis heute
Verantwortung für operative Prozesse an drei Standorten mit insgesamt 85 Mitarbeitenden
Manchmal hilft es, Muster zu sehen. Nicht zum Kopieren, sondern als Ausgangspunkt. Ein guter Über-mich-Text muss immer zur Zielrolle passen.
Good Example:
„Bilanzbuchhalterin mit neun Jahren Erfahrung in Monats- und Jahresabschlüssen, Umsatzsteuervoranmeldungen und der Zusammenarbeit mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern. Ich arbeite strukturiert, prüfungssicher und mit einem klaren Blick für saubere Zahlen, nachvollziehbare Prozesse und termingerechte Abschlüsse.“
Warum das funktioniert: Es zeigt Fachlichkeit, Aufgaben und Arbeitsqualität. Nicht „zahlenaffin“, sondern konkret bilanznah.
Good Example:
„Softwareentwickler mit sechs Jahren Erfahrung in Backend-Entwicklung, API-Design und cloudbasierten Anwendungen mit Java, Spring Boot und AWS. Ich arbeite gern an stabilen, wartbaren Systemen und bringe Erfahrung in agilen Produktteams, Code Reviews und technischer Abstimmung mit Fachbereichen mit.“
Warum das funktioniert: Tools, Arbeitsumfeld und technische Denkweise werden direkt sichtbar.
Good Example:
„Office Managerin mit langjähriger Erfahrung in administrativer Koordination, Terminmanagement, vorbereitender Buchhaltung und interner Kommunikation. Ich sorge dafür, dass Abläufe funktionieren, Informationen zuverlässig fließen und Führungskräfte im Tagesgeschäft entlastet werden.“
Warum das funktioniert: Es macht den Wert der Rolle sichtbar. Gute Assistenz ist nicht „nett und organisiert“. Gute Assistenz verhindert Chaos, bevor es teuer wird.
Die meisten schwachen Über-mich-Texte scheitern nicht an Grammatik. Sie scheitern daran, dass sie keinen klaren Job im Lebenslauf erledigen.
„Teamfähig, flexibel, motiviert, belastbar“ sind keine starke Positionierung. Das Problem ist nicht, dass diese Eigenschaften unwichtig wären. Das Problem ist, dass sie unbelegt und austauschbar sind.
Besser ist es, Eigenschaften über berufliches Verhalten zu zeigen.
Weak Example:
„Ich bin sehr organisiert und arbeite gerne im Team.“
Good Example:
„Erfahren in der Koordination bereichsübergreifender Projekte mit Marketing, Sales und Produktmanagement, inklusive Zeitplanung, Abstimmung und Umsetzungskontrolle.“
Das zeigt Organisation und Teamarbeit, ohne die Wörter platt hinzuschreiben.
Ein Über-mich-Abschnitt muss nicht jedes Mal komplett neu erfunden werden. Aber er sollte zur Zielrolle passen. Wenn du dich auf eine Controlling-Stelle bewirbst, sollte dein Profil nicht allgemein über „betriebswirtschaftliche Interessen“ sprechen. Es sollte Reporting, Analyse, Planung, Kosten oder Zahlenverständnis sichtbar machen.
Recruiting-Realität: Viele Kandidatinnen und Kandidaten scheitern nicht, weil sie ungeeignet sind. Sie scheitern, weil ihre Relevanz zu spät sichtbar wird.
Ein Lebenslauf darf in der Ich-Perspektive formuliert sein, besonders im Über-mich-Abschnitt. Aber jedes „Ich“ braucht Substanz.
Wenn du deinen Über-mich-Abschnitt schreiben willst, starte nicht mit schönen Formulierungen. Starte mit Entscheidungsklarheit. Was soll ein Recruiter nach fünf Sekunden über dich verstanden haben?
Nutze diese Fragen als internes Briefing:
Welche Zielrolle steht über dieser Bewerbung?
Welche drei Erfahrungen sind für diese Rolle am wichtigsten?
Welche Branche, Tools, Methoden oder Fachbereiche machen mein Profil relevanter?
Welche Missverständnisse könnte mein Lebenslauf auslösen?
Was muss ich früh erklären, damit mein Profil richtig gelesen wird?
Welche Stärke ist nicht nur nett, sondern hiring-relevant?
Danach kannst du deinen Abschnitt nach diesem Muster bauen:
Good Example:
Nicht jeder Lebenslauf braucht einen Über-mich-Abschnitt. Das sage ich bewusst, weil viele Karriereartikel so tun, als sei jedes Element Pflicht. Ist es nicht.
Du kannst den Abschnitt weglassen, wenn:
dein Lebenslauf sehr klar, linear und selbsterklärend ist
die erste Berufserfahrung bereits exakt zur Zielrolle passt
du keinen guten, konkreten Text schreiben kannst und nur Floskeln übrig bleiben
der Abschnitt Platz wegnimmt, den du für relevante Erfahrung brauchst
du dich in einem sehr konservativen Kontext bewirbst, in dem ein klassischer Aufbau besser wirkt
Aber: Wenn dein Profil erklärungsbedürftig ist, kann ein guter Über-mich-Abschnitt sehr hilfreich sein. Besonders bei Quereinstieg, internationaler Erfahrung, Branchenwechsel, Rückkehr nach Pause, Generalistenprofilen oder Rollen mit unscharfen Titeln.
Meine Faustregel: Wenn der Abschnitt den Lebenslauf schneller verständlich macht, nutze ihn. Wenn er nur hübsch klingt, streich ihn.
Viele Unternehmen in Deutschland nutzen Applicant Tracking Systeme, also ATS, um Bewerbungen zu verwalten. Das bedeutet nicht, dass ein Roboter allein über deine Karriere entscheidet. Diese Vorstellung ist oft übertrieben. Aber es bedeutet, dass dein Lebenslauf sauber lesbar, strukturiert und keyword-relevant sein sollte.
Der Über-mich-Abschnitt kann helfen, wichtige Begriffe früh im Dokument zu platzieren. Aber bitte nicht als Keyword-Müllhalde.
Gute ATS-relevante Begriffe sind:
Rollenbezeichnungen wie Projektmanagerin, Controller, Softwareentwickler, HR Business Partner
Fachbereiche wie Einkauf, Buchhaltung, Vertrieb, IT-Security, Personalentwicklung
Tools wie SAP, DATEV, Salesforce, HubSpot, Power BI, Excel, Jira
Methoden wie Scrum, Controlling, Active Sourcing, Budgetplanung, Stakeholder-Management
Branchenkontexte wie Maschinenbau, SaaS, E-Commerce, Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen
Schlecht ist es, wenn du Begriffe nur einfügst, weil sie in der Stellenanzeige stehen, aber nicht zu deinem Profil passen. Das rächt sich spätestens im Interview. Und manchmal schon früher, weil erfahrene Recruiter sehr schnell merken, ob ein Lebenslauf natürlich gewachsen oder keyword-gestopft ist.
In Stellenanzeigen steht oft „Wir suchen eine kommunikationsstarke, motivierte Persönlichkeit mit strukturierter Arbeitsweise“. Das klingt, als solltest du genau diese Wörter in deinen Lebenslauf schreiben. Bitte nicht einfach kopieren.
Was Arbeitgeber damit meistens meinen:
Kommunikationsstark bedeutet: Kannst du mit relevanten Schnittstellen sauber arbeiten, Erwartungen klären und Informationen verständlich weitergeben?
Strukturiert bedeutet: Kannst du Aufgaben priorisieren, Prozesse überblicken und zuverlässig liefern?
Motiviert bedeutet: Ist deine Bewerbung nachvollziehbar auf diese Rolle ausgerichtet oder bewirbst du dich einfach überall?
Hands-on bedeutet: Bist du bereit, Dinge praktisch umzusetzen, statt nur Konzepte zu kommentieren?
Eigenverantwortlich bedeutet: Kann man dir Themen geben, ohne jede Kleinigkeit nachzuschieben?
Im Über-mich-Abschnitt solltest du diese Anforderungen nicht wiederholen, sondern übersetzen. Zeige den beruflichen Kontext, in dem du genau diese Dinge bereits getan hast.
Geschrieben von Simar Malhi, Recruiterin und Headhunterin mit internationaler Recruiting-Erfahrung. Ich schreibe über Lebensläufe, Bewerbungen, Hiring-Entscheidungen und die Realität hinter Recruiting-Prozessen. Mein Ziel ist es, Kandidatinnen und Kandidaten ehrlicher zu zeigen, wie Arbeitgeber, Recruiter, Personaler, Hiring Manager und Fachabteilungen tatsächlich auswählen.
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Create ResumeWarum passt dein Profil in den Kontext dieser Bewerbung?
Der Abschnitt ist also kein Ort für alles, was du über dich sagen möchtest. Er ist ein Filter. Er entscheidet, welche Brille die Leserin oder der Leser beim Rest deines Lebenslaufs aufsetzt.
du dich auf dem deutschen Arbeitsmarkt gegen viele ähnliche Profile abheben musst
Was ich im Screening oft sehe: Kandidatinnen und Kandidaten glauben, der Lebenslauf sei selbsterklärend. Ist er aber nicht immer. Jobtitel sind oft unsauber. Unternehmen nutzen Rollenbezeichnungen unterschiedlich. „Manager“ kann Führung bedeuten oder einfach Sachbearbeitung mit schönerem Titel. „Consultant“ kann strategische Beratung sein oder operative Umsetzung. „Project Manager“ kann Budgetverantwortung bedeuten oder reine Koordination.
Der Über-mich-Abschnitt kann diese Unschärfe sauber auflösen.
Good Example:
„Marketing-Spezialistin mit fünf Jahren Erfahrung im B2B-SaaS-Umfeld, Schwerpunkt Content-Marketing, Lead-Generierung und Kampagnensteuerung. Erfahren in der Zusammenarbeit mit Sales, Produktteams und externen Agenturen. Ich positioniere Inhalte so, dass sie nicht nur sichtbar sind, sondern qualifizierte Anfragen erzeugen.“
Das ist deutlich stärker. Ich verstehe sofort die Rolle, den Kontext, die Erfahrung, die Schnittstellen und den praktischen Wert.
Der Unterschied liegt nicht darin, dass der zweite Text „schöner“ klingt. Er ist entscheidungsnützlicher. Und genau darum geht es.
Das ist sofort einordbar. Ich weiß, wo ich dich beruflich verorten soll.
Danach nennst du die Bereiche, die für deine Zielstelle besonders wichtig sind.
Good Example:
„Schwerpunkte in Active Sourcing, Interviewführung, Stakeholder-Management und der Besetzung kaufmännischer sowie technischer Positionen.“
Das macht den Text spezifischer. Nicht „HR“, sondern welche HR-Arbeit genau.
Zum Schluss zeigst du, wie du arbeitest oder welchen Wert deine Arbeit erzeugt.
Good Example:
„Ich verbinde strukturierte Recruiting-Prozesse mit einem klaren Blick für Kandidatenqualität, Marktverfügbarkeit und realistische Hiring-Entscheidungen.“
Das ist viel stärker als „Ich arbeite gerne mit Menschen“. Menschen mögen ist nett. Recruiting können ist relevanter.
eine klare berufliche Positionierung
Gerade im deutschen Bewerbungsmarkt mögen viele Arbeitgeber eine gewisse Sachlichkeit. Du musst dich nicht künstlich verkaufen wie in einer amerikanischen Personal-Branding-Broschüre. Aber du solltest dein Profil klar genug formulieren, damit niemand raten muss.
Diese Dinge schwächen den Abschnitt meistens:
private Eigenschaften ohne beruflichen Kontext
leere Adjektive wie motiviert, dynamisch, belastbar, teamfähig
austauschbare Aussagen über Herausforderungen
zu viele Buzzwords ohne Belege
sehr persönliche Details wie Hobbys, Familienstand oder Lebensmotto
Rechtfertigungen für Lücken, Kündigungen oder Wechsel
lange Erklärungen, warum du dich bewirbst
übertriebene Selbstdarstellung ohne Substanz
Ein Satz wie „Ich suche eine neue Herausforderung“ ist einer meiner persönlichen Lieblingsverdächtigen. Nicht, weil er schlimm ist. Sondern weil er nichts sagt. Fast jede Bewerbung ist eine neue Herausforderung. Die relevante Frage ist: Welche Rolle suchst du, warum passt dein Profil und welchen beruflichen Wert bringst du mit?
Enge Zusammenarbeit mit Sales zur Qualifizierung von Leads und Verbesserung der Übergabeprozesse
Steigerung der Marketing Qualified Leads durch bessere Zielgruppensegmentierung und Kampagnenlogik
Koordination externer Agenturen für Design, Paid Media und Content-Produktion
Marketing Specialist, DataBridge AG, Hamburg
Juli 2017 bis Februar 2021
Planung und Umsetzung von Content- und Social-Media-Maßnahmen für erklärungsbedürftige IT-Produkte
Erstellung von Landingpages, Newsletter-Kampagnen und Vertriebsunterlagen
Unterstützung bei Messeauftritten, Produktlaunches und Partnerkampagnen
Analyse von Kampagnenperformance in HubSpot und Google Analytics
Ausbildung
Master of Arts in Marketing & Communication, Universität Hamburg
2015 bis 2017
Bachelor of Arts in Betriebswirtschaftslehre, Hochschule Bremen
2011 bis 2015
Kenntnisse
Content-Marketing, B2B-Kampagnen, Lead-Generierung, Marketing Automation
HubSpot, Google Analytics, LinkedIn Campaign Manager, WordPress, Salesforce
Stakeholder-Management, Agentursteuerung, Sales Enablement
Sprachen
Deutsch: Muttersprache
Englisch: Verhandlungssicher
Warum dieses Beispiel funktioniert: Der Über-mich-Abschnitt sagt nicht nur „Marketing Managerin“. Er zeigt Branche, Spezialisierung, Schnittstellen und Wirkung. Ich verstehe sofort, dass diese Kandidatin nicht nur Content erstellt, sondern Marketing in Zusammenhang mit Pipeline, Sales und komplexen B2B-Produkten denkt. Das ist für viele Hiring Manager deutlich wertvoller als eine Liste schöner Eigenschaften.
Pflege und Prüfung von Excel-basierten Auswertungen für die Finanzabteilung
Mitarbeit bei der Vorbereitung von Budgetunterlagen
Erstellung einfacher Dashboards zur internen Übersicht von Kostenentwicklungen
Praktikum Controlling, Stadtwerke Bonn GmbH, Bonn
April 2023 bis September 2023
Unterstützung bei der Analyse von Plan-Ist-Abweichungen
Aufbereitung von Kennzahlen für interne Präsentationen
Mitarbeit bei der Dokumentation von Controlling-Prozessen
Ausbildung
Bachelor of Science in Wirtschaftswissenschaften, Universität zu Köln
2020 bis 2024
Schwerpunkte
Controlling
Externes Rechnungswesen
Unternehmensfinanzierung
Statistik
Kenntnisse
Excel, Pivot-Tabellen, SVERWEIS, Power Query Grundlagen
Kostenrechnung, Budgetplanung, Reporting, Plan-Ist-Analyse
SAP FI/CO Grundlagen
Sprachen
Deutsch: Muttersprache
Englisch: Sehr gut
Warum dieses Beispiel funktioniert: Es übertreibt nicht. Es positioniert Jonas sauber als Junior-Profil mit klarer Richtung. Genau das ist im deutschen Arbeitsmarkt wichtig. Hiring Manager erwarten von Berufseinsteigern keine zehn Jahre Erfahrung. Sie erwarten Lernfähigkeit, relevante Grundlagen, saubere Arbeitsweise und erkennbare Motivation für genau diesen Bereich. Der Über-mich-Abschnitt macht diese Richtung sichtbar.
Analyse von Kundenbedarfen und Empfehlung passender Produkt- und Servicelösungen
Koordination zwischen Kunden, technischem Support und internen Fachabteilungen
Dokumentation von Kundeninteraktionen und Verbesserung wiederkehrender Serviceprozesse
Einarbeitung neuer Teammitglieder in Gesprächsführung, Systemnutzung und Beschwerdemanagement
Kundenberaterin, ConnectPlus Service Center, Augsburg
August 2016 bis Dezember 2019
Telefonische und schriftliche Betreuung von Privat- und Geschäftskunden
Bearbeitung von Reklamationen, Vertragsänderungen und technischen Erstklärungen
Sicherstellung einer hohen Servicequalität bei hohem Anfragevolumen
Weiterbildung
Customer Success Management Grundlagen, Online-Zertifikat
2025
Ausbildung
Kauffrau für Dialogmarketing, IHK München
2013 bis 2016
Kenntnisse
Kundenkommunikation, Eskalationsmanagement, Stakeholder-Koordination
CRM-Systeme, Ticketing-Systeme, Serviceprozesse
Bedarfsermittlung, Lösungsberatung, Beschwerdemanagement
Sprachen
Deutsch: Muttersprache
Englisch: Gut
Warum dieses Beispiel funktioniert: Der Abschnitt versteckt den Quereinstieg nicht. Er erklärt ihn. Das ist entscheidend. Viele Quereinsteiger schreiben nur, dass sie „eine neue Herausforderung suchen“. Besser ist, klar zu zeigen, welche vorhandenen Fähigkeiten zur Zielrolle passen. Hier wird aus Kundenberatung keine komplett fremde Vergangenheit, sondern eine relevante Grundlage für Customer Success.
Führung von Team Leads in Lager, Versand, Customer Operations und Prozessmanagement
Einführung standardisierter KPIs für Durchlaufzeiten, Fehlerquoten und Kapazitätsplanung
Optimierung von Schichtmodellen zur besseren Abdeckung von Nachfragespitzen
Leitung bereichsübergreifender Projekte zur Verbesserung von Lieferqualität und Kostenstruktur
Operations Manager, QuickCommerce Europe GmbH, Düsseldorf
Juni 2015 bis April 2020
Steuerung operativer Abläufe in einem schnell wachsenden E-Commerce-Umfeld
Aufbau von Prozessdokumentationen und Trainingsstrukturen für neue Standorte
Zusammenarbeit mit IT, Customer Service und Finance zur Verbesserung interner Schnittstellen
Analyse von Engpässen und Umsetzung pragmatischer Verbesserungsmaßnahmen
Ausbildung
Master of Science in Supply Chain Management, Frankfurt School of Finance & Management
2013 bis 2015
Bachelor of Arts in Betriebswirtschaftslehre, Hochschule Mainz
2009 bis 2013
Kenntnisse
Operations Management, Prozessoptimierung, KPI-Steuerung, Standortmanagement
Teamführung, Change Management, Kapazitätsplanung, Schnittstellenmanagement
ERP-Systeme, Warehouse Management Systeme, Power BI, Excel
Sprachen
Deutsch: Muttersprache
Englisch: Verhandlungssicher
Warum dieses Beispiel funktioniert: Der Abschnitt macht Führungsverantwortung sichtbar, aber bleibt konkret. Besonders stark ist der letzte Satz, weil er Haltung zeigt, ohne ins Coaching-Vokabular abzurutschen. Viele Führungskräfte schreiben sehr abstrakt über Strategie. Gute Führung im Lebenslauf zeigt aber, welche Realität jemand steuern kann.
Good Example:
„Sales Manager mit Schwerpunkt B2B-Neukundengewinnung, Bestandskundenausbau und lösungsorientierter Beratung im technischen Umfeld. Ich verbinde klare Pipeline-Struktur mit belastbarer Kundenkommunikation und erkenne früh, welche Chancen realistisch sind und welche nur im CRM hübsch aussehen.“
Warum das funktioniert: Der Text klingt nach echtem Vertrieb, nicht nach Motivationsposter.
Good Example:
„Recruiterin mit Schwerpunkt Active Sourcing, Interviewführung und End-to-End-Recruiting für kaufmännische und technische Positionen. Ich arbeite eng mit Fachabteilungen zusammen, schärfe Anforderungsprofile und achte darauf, dass Recruiting nicht nur schnell, sondern entscheidungsfähig wird.“
Warum das funktioniert: Es zeigt nicht nur Aufgaben, sondern Verständnis für die eigentliche Hiring-Logik.
Weak Example:
„Ich bin überzeugt, dass ich durch meine positive Art und meinen Ehrgeiz jedes Unternehmen bereichern kann.“
Das klingt groß, aber unkonkret.
Good Example:
„Ich bringe Erfahrung in der Betreuung internationaler Kunden, der Koordination interner Schnittstellen und der Lösung komplexer Serviceanfragen mit.“
Das ist weniger laut, aber deutlich hilfreicher.
Der Über-mich-Abschnitt ist keine Mini-Version deines Anschreibens. Sätze wie „Mit großem Interesse bewerbe ich mich bei Ihnen“ gehören nicht in den Lebenslauf. Dort wirkt es falsch platziert.
Der Lebenslauf ist ein Bewertungsdokument. Er soll schnell zeigen, was du mitbringst. Das Anschreiben kann erklären, warum du dich bewirbst. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil viele Bewerbungsunterlagen sonst unnötig weich und wiederholend werden.
„Hands-on Mentalität“, „Growth Mindset“, „agile Arbeitsweise“, „strategischer Sparringspartner“ – solche Begriffe können passen, wenn sie belegt werden. Ohne Kontext wirken sie wie LinkedIn-Nebelmaschine.
Wenn du Buzzwords nutzt, erde sie mit konkretem Kontext.
Weak Example:
„Ich bin ein strategischer, agiler und lösungsorientierter Teamplayer.“
Good Example:
„Ich begleite agile Produktteams in der Priorisierung von Anforderungen, übersetze Fachbereichsbedarf in umsetzbare User Stories und halte technische sowie geschäftliche Perspektiven zusammen.“
Das ist immer noch modern, aber endlich greifbar.
„[Rolle] mit [Erfahrung/Kontext], spezialisiert auf [Schwerpunkte]. Erfahren in [relevante Aufgaben, Tools oder Schnittstellen]. Ich bringe [Arbeitsweise/Wirkung], besonders im Kontext von [Zielrolle, Branche oder Herausforderung].“
Das ist kein Satz zum blind Kopieren. Es ist ein Baugerüst. Der Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem starken Über-mich-Abschnitt liegt darin, wie konkret du die Klammern füllst.
Weak Example:
„Ich bin eine motivierte HR-Mitarbeiterin, die gerne mit Menschen arbeitet und neue Herausforderungen sucht.“
Good Example:
„HR-Generalistin mit vier Jahren Erfahrung in Recruiting, Onboarding und operativer Mitarbeiterbetreuung im mittelständischen Umfeld. Ich arbeite strukturiert an der Schnittstelle zwischen Mitarbeitenden, Führungskräften und Geschäftsführung und sorge dafür, dass HR-Prozesse nicht nur administrativ sauber, sondern im Alltag nutzbar sind.“
Warum die zweite Version besser ist: Sie zeigt Rolle, Erfahrung, Umfeld, Aufgaben und Arbeitslogik. Sie sagt nicht nur „Ich arbeite gerne mit Menschen“. Sie zeigt, welche HR-Arbeit tatsächlich geleistet wird.
Ein guter Über-mich-Abschnitt ist also ATS-freundlich, aber menschenlesbar. Genau diese Mischung ist entscheidend.
Das ist der Unterschied zwischen Bewerbungsrhetorik und echter Positionierung.